Heiliges Holz im Heizungskeller

Kaum einer kennt es. Kaum einer hat es noch in Erinnerung. Auf einem Bild aus den 50er Jahren ist es am Rande zu erkennen. Wenn man genau hinschaut und weiß, dass dort das Presbyteriumsgestühl im Kirchraum platziert war. Es war der besondere Platz für die Pfarrer und die gewählten Kirchenältesten. Von dort standen sie während des Gottesdienstes auf, um an der richtigen Stelle die Kollekte einzusammeln oder für die Lesung ans Lesepult zu treten. Dieses Gestühl war aus rotbraun lackiertem Holz mit schönen Schnitzereien gefertigt.

Auf einem Bild von 1973 ist allerdings zu erkennen, dass der Kirchraum durch eine Sanierung eine sehr viel hellere Ausstrahlung bekam – so wie wir ihn heute noch kennen. Doch was war mit dem hölzernen Presbyteriumsgestühl geschehen? Man hatte den ehemaligen Heizungskeller für die Kohlen zu einer Sakristei umgewandelt. Dafür baute man im Altarraum einen Treppendurchbruch in den Keller und versteckte ihn geschickt hinter einer etwa einen Meter hohen Mauerbrüstung. Das Holz des Gestühls wurde zu einer schönen Wandvertäfelung umgearbeitet. Seither bekamen es darum nur die wenigen, die durch die Sakristei ihren Weg in die Kirche nahmen, zu Gesicht.

Eigentlich schade! Nun gut, das Holz ist nicht heilig im eigentlichen Sinn. Es war aber Zeuge vieler heiliger Momente. Und zu schön, um nur im Keller versteckt zu werden. So wie wir die Schönheit Gottes, die aus uns allen strahlt, nicht verstecken sollten.

Veröffentlicht in Blog Kirchen-Geschichten.

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